Fantasy Tropes im Wandel – warum moderne Fantasy-Tropen uns stärker packen als je zuvor
- Meike Piechota

- vor 2 Tagen
- 9 Min. Lesezeit
Von Auserwählten und dunklen Lords zu moralisch grauen Antiheld*innen, Found Family und düsteren Urban-Fantasy-Welten. Wie sich Fantasy-Tropen verändert haben und warum das für deinen Lesestoff richtig spannend ist.

Wenn du dich schon mal gefragt hast, warum sich „der Auserwählte“ heute anders anfühlt als noch zu Zeiten von „Der Herr der Ringe“, wieso plötzlich alle von „Enemies to Lovers“, „Found Family“ und morally grey Antiheld*innen reden oder ob klassische Fantasy-Tropen überhaupt noch funktionieren, dann bist du hier genau richtig.
Ich nehme dich mit auf einen Blick hinter die Kulissen, zeige dir, wie sich Fantasy Tropes im Laufe der Zeit verändert haben und wie wir Autor*innen sie heute bewusst brechen, verdrehen oder neu zusammensetzen.
Wir schauen gemeinsam auf typische Fragen, die Leser*innen sich stellen. Wir reden darüber, was die deutschsprachige Buchcommunity aktuell feiert, wo ein bisschen Trope-Müdigkeit einsetzt und wie ich in meinen eigenen Büchern mit genau diesen Tropen spiele.
Und ja, am Ende hast du nicht nur einen frischen Blick auf deine Lieblingsmotive, sondern vielleicht auch die eine oder andere neue Lektüre auf der Wunschliste.
Die alle, die schnell reisen wollen:
Von Tolkien bis heute: klassische Fantasy Tropes und warum wir sie noch lieben
Wenn wir über Fantasy Tropes sprechen, führt kein Weg an den Klassikern vorbei. Der Auserwählte, der dunkle Herrscher, die große Quest, magische Artefakte und der ewige Kampf Gut gegen Böse.
Der Ursprung vieler Fantasy Tropes
Tolkien hat mit „Der Herr der Ringe“ und „Der Hobbit“ eine ganze Tropen-Bibliothek in die Welt gesetzt. Vom „Dark Lord“ über die gefährliche Reise bis hin zur bunt gemischten Heldengruppe.
Klassische High Fantasy liebt klare Fronten. Das Gute strahlt, das Böse ist finster und hässlich, und eine meist männliche, oft widerwillige Hauptfigur ist dazu bestimmt, alles zu retten.
Diese Muster finden sich auch in Reihen wie „Die Chroniken von Narnia“ oder in vielen frühen Fantasy-Dystopien wieder, in denen eine Auserwählte die Welt vor einem autoritären Regime retten muss.
Warum zünden diese Fantasy Tropesbis heute so gut
Sie sind vertraut und geben Orientierung.
Sie bieten großes Heldentum und emotionale Eskalation.
Sie liefern Stoff für epische Schlachten, Opfermomente und Gänsehaut-Enden.
Kurz gesagt: Diese Motive sind so etwas wie das Fundament, auf dem fast jede moderne Fantasy steht, auch wenn sie es manchmal verleugnet.
Moderne Fantasy Tropes: Wenn der Auserwählte keine Lust mehr hat, Auserwählte*r zu sein
Lesende ab 16, die heute Fantasy verschlingen, sind mit einer riesigen Auswahl an Büchern, Serien und Games aufgewachsen. Klare Schwarz-Weiß-Welten fühlen sich für viele zu simpel an.
Der Auserwählte unter Druck
In der modernen Fantasy wird „The Chosen One“ selten noch blind heroisiert. Autor*innen beleuchten stärker, was macht es psychisch mit einem Menschen, wenn alle Erwartungen auf den eigenen Schultern liegen oder wenn die Prophezeiung vielleicht sogar falsch ist. Viele Geschichten drehen sich inzwischen darum, die Prophezeiung zu unterlaufen, sie neu zu interpretieren oder sie aktiv zu zerstören.
Ein weiterer Trend besteht darin, dass die Charaktere nicht mehr die ganze Welt retten, sondern „nur“ ihre Familie, ihre Stadt oder ihr eigenes Menschsein. Found Family ist inzwischen eines der beliebtesten Fantasy Tropes, weil es Nähe, Verletzlichkeit und Loyalität abseits von Blutsbanden ermöglicht.
Wie ich damit in „RISE“ spiele
In „RISE: Zwei Schicksale – Zwei Nationen“ begegnest du Sam, einer Protagonistin ohne Erinnerungen, die in einer zerrissenen Welt zwischen schwebenden Inseln und der gefährlichen Erde ihren Platz finden muss.
Auf den ersten Blick könnte man denken, dass sie die klassische Auserwählte ist, die zwischen zwei Welten steht. Im Kern geht es aber darum, wie sie sich durch Trauma, Machtstrukturen und Manipulation kämpft und erstmal ihre eigene Wahrheit finden muss, bevor sie irgendjemand anderen retten kann.
Ich nutze also ein klassisches Trope, aber ich drehe es so, dass Sam nicht als reine Projektionsfläche einer Prophezeiung funktioniert, sondern als komplexe, wütende, verletzliche Person. Mit Entscheidungen, die Konsequenzen haben und nicht immer bequem sind.
Urban Fantasy Tropes: Magie zwischen Neonlichtern, Beton und Social Media
Kommen wir zu einem Subgenre, das viele von euch lieben: Urban Fantasy. Hier prallen unsere reale Welt und Magie frontal aufeinander, oft in einem Setting, das sich verdammt nach Großstadt, Nachtleben und Geheimnissen anfühlt.
Urban Fantasy Tropes sind mittlerweile ein eigener Kosmos. Typisch sind etwa:
die verdeckte magische Gesellschaft mitten in unserer Realität
übernatürliche Ermittler*innen oder Jäger*innen
geheime Clans, Dynastien und magische Unterwelten
uralte Flüche, Blutlinien und vererbte Macht
Beliebte Beispiele hierfür sind Reihen wie „Harry Dresden“ von Jim Butcher oder „Chroniken der Unterwelt“ von Cassandra Clare, in denen Magie in modernen Städten existiert und der Alltag trotzdem weiterläuft.
Urban Fantasy Tropes in „Freedom“
In meinem Einzelband „Freedom“ schicke ich dich an die Küste der Hudson Bay, wo Hope Tremblay nach dem Tod ihrer Mutter einem Brief folgt und plötzlich in einer Welt voller Gestaltwandler, dunkler Familiengeheimnisse und tödlicher Intrigen landet.
Klassische Urban Fantasy Tropes darin sind:
eine scheinbar normale Protagonistin, die erfährt, dass sie Teil einer magischen Welt ist
eine verborgene Gemeinschaft von übernatürlichen Wesen, die nach eigenen Regeln lebt
gefährliche politische Machtspiele innerhalb eines Rudels bzw. Clans
eine Protagonistin, die ihre eigene Stärke entdeckt und gezwungen ist, sich durch starke Gegner*innen zu schlagen
Gleichzeitig mische ich diese Tropen mit Elementen, die eher Richtung Dark Fantasy Tropen gehen, wie zum Beispiel brutale Kämpfe, düstere Moralfragen, Gewalt, die Konsequenzen hat und eine Protagonistin, die lernen muss, dass Freiheit nicht ohne Blut und Verlust zu haben ist.
So bleibt das Setting zwar in unserer Welt verankert, aber die Tonlage ist deutlich dunkler, als man es aus vielen klassischen Urban-Fantasy-Reihen kennt.
Dark Fantasy Tropen: Wenn es wirklich wehtun darf
Dark Fantasy ist das Zuhause für alle, die es düster, brutal, moralisch komplex und emotional anstrengend mögen. Hier gibt es kein klares Gut und Böse, sondern nur verschiedene Abstufungen von Grau, Machtmissbrauch, Trauma und die Frage, ob der Preis für den Sieg überhaupt noch vertretbar ist.
Typische Dark Fantasy Tropen sind zum Beispiel:
Antiheld*innen statt strahlender Held*innen
Systeme, die korrumpiert sind und nicht einfach „gestürzt“ werden können
Magie als etwas Gefährliches, oft mit körperlichen oder seelischen Kosten
Gewalt, die realistische Narben hinterlässt
düstere, oppressive Settings, die Figuren permanent unter Druck setzen
In der deutschsprachigen Community sieht man Dark Fantasy im Moment vor allem als Gegenpol zur sehr dominanten Romantasy und Young-Adult-Schiene, die von vielen Verlagen stark gepusht werden.
Gerade Leser*innen, die „mehr Biss“, mehr moralische Reibung und weniger weichgezeichneten Eskapismus suchen, landen häufig bei Dark Fantasy Tropen.
Wie Dark Fantasy Tropen in „RISE“ und „Freedom“ auftauchen
Sowohl „RISE“ als auch „Freedom“ spielen bewusst mit diesen Motiven. In „RISE“ bewegen wir uns in einer dystopischen Welt, in der schwebende Inseln, brutale Divisionen und eine von Seuche bedrohte Erde nicht einfach nur Hintergrund sind, sondern die Figuren formen und brechen.
Sam kämpft nicht gegen einen eindimensionalen „Dark Lord“, sondern gegen komplexe Machtstrukturen und Loyalitäten, in denen niemand komplett unschuldig bleibt.
In „Freedom“ wiederum ist die Gestaltwandler-Community an der Hudson Bay alles andere als romantisch verklärt. Alte Schuld, Machtmissbrauch innerhalb der Familie, tödliche Konflikte und das Ringen um Selbstbestimmung gehören hier zum Alltag.
Dark Fantasy bedeutet für mich, dass Figuren Entscheidungen treffen müssen, bei denen es keine rein sauberen Optionen mehr gibt und dass Leser*innen nicht nur zuschauen, sondern emotional mit ins Feuer gezogen werden.
Enemies to Lovers Fantasy: Trope-Liebling mit Abnutzungserscheinungen
Wenn es ein Trope gibt, das im deutschsprachigen Raum gerade überall ist, dann ist es „Enemies to Lovers“.
In vielen Reihen, vor allem im Bereich Romantasy, ist „Enemies to Lovers Fantasy“ inzwischen Standard. Zwei Figuren stehen auf verschiedenen Seiten eines Konflikts, bekämpfen sich, es knistert zwischen ihnen und landen irgendwann aufeinander statt gegeneinander.
Die Buchcommunity liebt dieses Muster, weil es automatisch Spannung erzeugt. Gleichzeitig liest man in den letzten Monaten immer öfter von Trope-Fatigue. Viele haben das Gefühl, immer wieder die gleiche Dynamik serviert zu bekommen.
Plattformen wie BookTok und Bookstagram haben „Enemies to Lovers Fantasy“ massiv gepusht. Bestsellerlisten sind voll von Büchern, die genau das versprechen.
Was macht „Enemies to Lovers Fantasy“ spannend und wann wird es langweilig
Gut funktioniert das Trope dann, wenn:
der Konflikt zwischen den Figuren real begründet ist
beide Seiten gute, nachvollziehbare Gründe haben, einander zu hassen
der Wandel von Hass zu Zuneigung in kleinen Schritten passiert
die Figuren sich nicht einfach „wegkuscheln“, sondern Verantwortung für vergangene Taten übernehmen
Langweilig wird es, wenn:
der Konflikt nur vorgeschoben oder völlig überzogen ist
eine Seite alles falsch macht und die andere nur verzeiht
Gewalt romantisiert wird, ohne kritisch hinterfragt zu werden
die Handlung nur noch als Vorwand für romantische Momente dient
Gerade in Kombination mit Dark Fantasy Tropen ist „Enemies to Lovers“ extrem sensibel. Wo die Welt ohnehin brutal ist, muss man noch genauer hinschauen, welche Grenzen nicht überschritten werden sollten, wenn es um Konsens, Machtgefälle und Traumata geht.
Trope-Trends in der deutschsprachigen Buchcommunity
Wenn man aktuelle Programmvorschauen, Blogs und Diskussionsbeiträge anschaut, zeigt sich ein spannendes Bild:
Romantasy dominiert weiterhin einen Großteil der sichtbaren Neuerscheinungen.
„Enemies to Lovers“, „Fated Mates“, verbotene Liebe und Found Family gehören zu den beliebtesten Fantasy Tropes.
Gleichzeitig berichten viele von Trope-Müdigkeit, besonders bei immer gleichen Romance-Mustern.
Dark Fantasy, politische Fantasy und experimentellere Stoffe existieren daneben, bekommen aber meist deutlich weniger Scheinwerferlicht.
BookTok wird aktuell intensiv diskutiert, weil viele sich fragen, ob der riesige Hype seinen Peak überschritten hat. Es ist von „Trope-Fatigue“ die Rede, gerade bei Romance- und Romantasy-Titeln, die sehr austauschbar wirken.
Wie ich persönlich mit Fantasy Tropes spiele
Als Autorin, die in Urban Fantasy und Dark Fantasy unterwegs ist, mag ich Tropen. Sie sind kein Feindbild, sondern Werkzeuge.
Ich nutze sie bewusst, um dir ein gewisses „Ich weiß, worauf ich mich einlasse“-Gefühl zu geben, und breche sie dann, wenn du es am wenigsten erwartest. Ein paar Beispiele aus „RISE“ und „Freedom“:
In „RISE“ wirkt die Ausgangssituation wie ein klassisches Auserwählten-Setting, aber Sam bekommt keine einfache Heldenreise. Stattdessen zwingt die Welt sie, ständig zu hinterfragen, wem sie vertrauen kann und welche Erinnerungen überhaupt der Wahrheit entsprechen.
In „Freedom“ scheinen die Gestaltwandler auf den ersten Blick in ein vertrautes Urban-Fantasy-Muster zu passen, werden aber sehr schnell zu einer gefährlichen Macht, in der Hope weder passive Beobachterin noch reine Romantasy-Heldin ist. Ihre Freiheit hat einen hohen Preis.
Starke weibliche Figuren sind bei mir kein „Trope zum Abhaken“, sondern Kern der Stories: Frauen, die bluten, verlieren, zweifeln, Fehler machen und trotzdem weitermachen, sind mir wichtiger als makellose Superheldinnen.
Ich orientiere mich an der Trope-Landschaft, die die Community liebt, aber ich schreibe für alle, die sich fragen: „Was passiert, wenn wir dieses Muster mal richtig auf den Kopf stellen“.
Wie du Trope-Müdigkeit überlebst
Vielleicht kennst du das. Du liebst bestimmte Fantasy Tropes, aber irgendwann fühlt es sich an, als würdest du immer wieder dieselbe Geschichte in anderen Farben lesen.
Ein paar Strategien, die ich aus der Community beobachte:
Subgenres wechseln: Wenn dir Romantasy zu weich wird, probier Dark Fantasy oder Urban Fantasy mit stärkerem Fokus auf Plot und Gesellschaftskritik.
Tropen gezielt suchen: Wenn du „Enemies to Lovers Fantasy“ magst, dann achte bewusst darauf, wie gut es umgesetzt ist und gib Büchern eine Chance, die andere Dynamiken bieten, etwa Found Family oder Rival*innen, die Freundschaft statt Liebe entwickeln.
Nischen und Indies entdecken: Viele der spannendsten Dark Fantasy Tropen und ungewöhnlichen Mischungen findest du im Kleinverlags- oder Selfpublishing-Bereich.
Erwartungen loslassen: Nicht jedes Buch muss dein Trope exakt so bedienen, wie du es dir ausmalst. Manchmal macht gerade der Bruch die Geschichte unvergesslich.
So bleiben Tropen das, was sie sein sollen: Werkzeuge, keine Schablonen.
Fazit
Fantasy Tropes sind nicht das Problem. Sie sind der Baukasten, aus dem wir alle unsere Lieblingsgeschichten zusammensetzen. Von klassischen Motiven wie dem Auserwählten, dem Dark Lord und der Weltrettungs-Quest über Urban Fantasy Tropes mit versteckter Magie in der modernen Welt bis hin zu kompromisslosen Dark Fantasy Tropen und heiß geliebten „Enemies to Lovers“ ist die Entwicklung eher eine Erweiterung als eine Ablösung.
Je bewusster Autor*innen mit diesen Mustern umgehen und je klarer du als Leser*in deine eigenen Vorlieben kennst, desto größer wird die Chance, dass du Geschichten findest, die dich wirklich packen. Auch dann, wenn dir manche Tropen schon tausendmal begegnet sind.
Wenn du Lust auf düstere, actionreiche Fantasy mit starken Frauen hast
Wenn du nach diesem Artikel Lust bekommen hast, Fantasy Tropes mal in etwas härter, düsterer und actionreicher zu erleben, dann lade ich dich ein, meine Bücher kennenzulernen.
In „RISE: Zwei Schicksale – Zwei Nationen“ erwarten dich schwebende Inseln, eine zerrissene Welt, eine Protagonistin ohne Erinnerungen und eine Story, die klassische Tropen nimmt und sie so verdreht, dass du dich nie ganz sicher fühlen wirst.
„Freedom“ schickt dich an die raue Hudson Bay, mitten hinein in eine Gestaltwandler-Community, in der dunkle Mächte seit Jahrzehnten alles im Griff haben und eine junge Frau gezwungen ist, ihre eigene Stärke gegen blutige Realität zu behaupten.
Wenn du Bock auf starke weibliche Charaktere, kompromisslose Konflikte, brutale Kämpfe und Welten hast, in denen nichts schwarz-weiß ist, dann schnapp dir eines der Bücher und tauch ab. Wir sehen uns zwischen den Seiten.
Deine Meike





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