Fantasy Interview: Ein Gespräch mit Fleur aus „Zur finstersten Stunde“
- Meike Piechota

- 18. Jan.
- 5 Min. Lesezeit
Magie, Macht und unbequeme Wahrheiten. Ein fiktives Fantasy Interview und ein Blick hinter die Kulissen meiner düsteren Fantasy.

Es gibt diese Marketing-Ideen, die klingen im Kopf deutlich harmloser, als sie später tatsächlich auch sind. Ein Fantasy Interview mit der eigenen Protagonistin gehört definitiv dazu.
Eigentlich wollte ich dir heute nur einen kleinen Blick hinter die Kulissen meines Romans Zur finstersten Stunde geben. Ein paar Fragen, ein paar Antworten, vielleicht ein bisschen Charme, ein bisschen Weltbau. Stattdessen saß ich plötzlich neben Fleur auf dem Sofa und hatte das sehr deutliche Gefühl, dass sie das hier nur über sich ergehen lässt, um mich später dafür büßen zu lassen.
Dieses Fantasy Interview ist kein nettes Gespräch. Es ist kein Wohlfühlformat. Es ist genau das, was passiert, wenn man einer Figur das Wort gibt, die weder gefallen noch erklären will.
Wenn du wissen willst, wie Fleur über Magie, Macht, Beziehungen und Angst denkt, dann lies weiter. Aber beschwer dich nicht bei mir.
Die alle, die schnell reisen wollen:
Der Anfang dieses Fantasy Interviews und warum ich sofort bereut habe, ihn begonnen zu haben
Mit einem unschuldigen Grinsen setze ich mich auf das Sofa neben Fleur.
Beim Wippen der Polster bemüht sie sich, von ihrem Buch aufzublicken. Schweigend mustert sie mich von der Seite.
„Ähm, Fleur?“
Ihr folgendes Schweigen nehme ich als Antwort und halte einen Zettel in die Höhe. „Ich habe ein paar Fragen von Lesenden. Die würde ich dir sehr gerne stellen.“
Nun wandert eine ihrer Augenbrauen in die Höhe.
„Es sind wirklich nur ein paar. Das wird dich maximal 10 Minuten kosten.“
Zu der Augenbraue gesellt sich ein schräg gelegter Kopf.
„Okay, okay! Fünfzehn! Versprochen!“ Mein Wedeln mit dem Zettel wird hektischer. Für einige Sekunden halte ich noch mein breites Grinsen. Ich hatte gehofft, damit zumindest ein wenig Motivation von ihr zu bekommen. Jetzt sacke ich zusammen, stöhne genervt und werfe mich in die Kissen. „Tu mir bitte einfach den Gefallen! Das ist wichtig. Marketing und so.“
Für einige Atemzüge beobachtet Fleur mein Schauspiel noch. Dann gibt sie ein leises Schnauben von sich und schlägt das Buch auf ihrem Schoß zu. „Na schön. Stell mir deine Fragen.“
Schon hebe ich mich wieder aus den Kissen, blicke auf den Zettel und möchte die erste Frage vorlesen. Dann stocke ich. Mein skeptischer Blick wandert über den Rand des Blattes zu Fleur. Die Falle rieche ich. „Du meinst wohl, stell deine Fragen und ich beantworte sie für dich.“
Damit bringe ich Fleur zum Schmunzeln. Sie greift zum Glas mit Absinth neben sich auf dem Beistelltisch und nippt daran. „Erwischt.“
Ich kenne sie eben gut. Bei ihr muss man vorsichtig sein. Bei dem, was sie sagt. Aber vor allem bei dem, was sie nicht sagt.
Magie im Fantasy Interview: Warum sie kein Geschenk ist
Frage: Wie bist du zur Magie gekommen und welche Rolle spielt sie in deinem Leben?
Fleur: „Man kommt nicht zur Magie. Sie liegt einem im Blut. Eines Tages im Laufe des Lebens wird sie sich bemerkbar machen. Und wenn du sie erst einmal entdeckt hast, dann durchzieht sie dein gesamtes Leben. Du atmast sie. Mit jedem Schlag deines Herzens spürst du sie.“
Fleur spricht über Magie nicht wie über eine Fähigkeit. Für sie ist sie Existenz. Das ist einer der Gründe, warum Magie in Zur finstersten Stunde nie harmlos ist. Sie ist Bindung, Abhängigkeit und Schwachstelle zugleich.
Die Frage nach der Erschafferin und warum dieses Fantasy Interview kurz brenzlig wird
Frage: Welche Eigenschaft schätzt du an deiner Erschafferin?
Fleur: „Den Pater im Amüsement Distrikt befällt sicherlich gerade ein Schaudern. So persönlich über die Mächte zu sprechen, ist blasphemisch. Denn dank deren Güte würden wir einst aus Dunkelheit und Staub erschaffen. Laut dem alten Trinker jedenfalls. Doch Sie haben Glück, dass ich nicht sonderlich empfänglich für derartige Gedanken bin. Willkür ist für mich nichts, was man anbeten sollte. Lassen Sie uns daher lieber über Lady Piechota sprechen. Diese Person treibt seit einiger Zeit ihr Unwesen in meinem Leben. Was ich an ihr schätze, ist, dass sie weniger anstrengend ist als andere. Und genauso viel trinken kann wie ich.“
Ich lasse das jetzt einfach so stehen.
Moralvorstellungen, Haustiere und andere Warnsignale
Frage: Lieblingshaustier?
Fleur: „Menschen.“
Beziehungen im Fantasy Interview: Nähe ist Verhandlungssache
Frage: Welche Beziehung hast du zu deinen Partnern Benedikt van Dijk und Gail McAlistor?
Fleur: „Benedikt van Dijk ist ein ambitionierter junger Mann. Seine Loyalität gegenüber den Princeps ist bemerkenswert. Um nicht zu sagen, beneidenswert naiv. Die Begegnung mit ihm war erfrischend. Eine Beziehung, die ich vertiefen möchte.
Gail McAlistor ist ein erfahrener Detective. Sein Wissen ist nützlich. Wenn ihm sein Ego nicht im Weg stehen würde. Damit wünsche ich dem Mann alles Gute für seine weitere berufliche Laufbahn.“
Superkräfte, Blut und warum man bestimmte Fragen besser bereut
Frage: Was ist deine Superpower?
Fleur: „Der dunklen Magie fähig zu sein, würden einige bereits als eine außerordentliche Fähigkeit nennen. Das Blut anderer zu bändigen ist eine mächtige Gabe, die ich in den Dienst der Princeps stelle. Ich jedoch bin stolz auf ein Talent, das ich Ihnen sehr gerne einmal zeige. Dafür wäre es jedoch notwendig, dass weniger Publikum und Kleidung anwesend ist.“
An dieser Stelle habe ich beschlossen, keine Nachfragen zu stellen.
Überleben als Lebensziel im Fantasy Interview
Frage: Was war bisher deine größte Herausforderung?
Fleur: „Zu überleben.“
Mehr Wahrheit passt selten in ein einzelnes Wort.
Cover, Farbe und symbolische Fehlentscheidungen
Frage: Warum bist du bunt auf dem Cover dargestellt?
Fleur: „Ich kann Ihnen versichern, dass das nicht auf meinen Wunsch passiert ist. Wenn es nach mir gegangen wäre, wäre das gesamte Buch schwarz geworden. Aber Lady Piechota meinte, dass das nicht ginge. Dann hat sie ebenfalls etwas gesagt von wegen Vielschichtigkeit meines Charakters. Nichts, was nicht ein paar Blutflecken auch dargestellt hätten. Aber ich schätze, dass sich da jeder eine eigene Meinung bilden sollte, indem er oder sie das Buch liest.“
Gleichberechtigung, Macht und Realität
Frage: Wie stehst du zur Gleichberechtigung?
Fleur: „Diese Idee der neuen Zeit ist sehr faszinierend. Ich verstehe das Ansinnen dahinter. Doch Sie sprechen mit einer Realistin. Und die sagt Ihnen, dass es immer machthungrige Menschen geben wird, worunter andere immer leiden werden. Am Ende muss jeder für sich entscheiden, wofür er oder sie kämpfen will.“
Angst als Achillesferse
Frage: Was ist deine größte Angst?
Fleur: „Meine Magie zu verlieren.“
Frauen, Wahrnehmung und tödliche Fehleinschätzungen
Frage: Wie ist es für dich, in einer Zeit zu leben, in der Frauen nicht ernst genommen werden?
Fleur: „Vor wem haben Sie mehr Angst? Vor dem Wolf oder dem Lamm? Ich sage es Ihnen. Sie sollte die größte Angst vor einer Fehleinschätzung haben. Was leider die wenigsten Menschen sehen und noch weniger verstehen.“
Hoffnung in einem Fantasy Interview, das keine sein wollte
Frage: Welche Veränderungen würdest du in deiner Welt herbeiführen?
Fleur: „Mehr Licht und Freiheit.“
Und ja, selbst das überrascht mich.
Warum dieses Fantasy Interview nur ein Vorgeschmack ist
Dieses Fantasy Interview zeigt Fleur nicht in Aktion. Es zeigt sie im Stillstand. Und vielleicht ist genau das beunruhigender. Sie erklärt nichts. Sie entschuldigt nichts. Sie existiert.
Wenn du Fantasy liest, die düster, brutal ehrlich und unbequem ist, dann findest du in Zur finstersten Stunde genau das. Fleur wartet nicht darauf, verstanden zu werden. Aber sie wird dich nicht loslassen.
Und jetzt entschuldige mich bitte. Ich glaube, sie hat genug geredet.
Deine Meike









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